Weimar. Auf rund 4.300 Quadratmetern Nutzfläche entsteht im Weimarer Ortsteil Tröbsdorf ein modernes Technikum für nachhaltiges Bauen:  das »Innovationszentrum-Bau«. Weimar ist führender Standort für nachhaltige Bauinnovation.

Es wird vom IAB – Institut für Angewandte Bauforschung Weimar gGmbH realisiert und stärkt die Zusammenarbeit mit der Bauhaus-Universität Weimar sowie der Materialforschungs- und -prüfanstalt (MFPA) Weimar. Ziel ist es, bestehende Kompetenzen zu bündeln und Forschungsergebnisse schneller in die industrielle Anwendung zu überführen. 

Bauen zählt weltweit zu den ressourcen- und energieintensivsten Industrien. Vor diesem Hintergrund arbeiten die drei Weimarer Forschungseinrichtungen als Partner im Thüringer Innovationszentrum für die Zukunft des Bauens seit Jahren daran, innovative Lösungen für klimafreundliches und ressourcenschonendes Bauen zu entwickeln. 

In Thüringen, insbesondere in Weimar, hat sich dafür eine in Deutschland einzigartige Innovationslandschaft etabliert: Über 500 hochqualifizierte Mitarbeitende in der Bau- und Baustoffforschung stemmen aktuell mehr als 40 laufende und zugesagte Forschungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 40 Millionen Euro bis 2027. Gemeinsam verfolgen sie den Ansatz der »Efficient Construction Industries« – eine ganzheitliche Betrachtung von Stoff- und Energieströmen entlang des gesamten Lebenszyklus von Bauwerken.

Bislang stoßen viele Forschungsarbeiten an ihre Grenzen, sobald es um die Übertragung in größere Maßstäbe geht. Genau hier setzt das Innovationszentrum an: Es schafft die infrastrukturellen Voraussetzungen, um neue Materialien und Verfahren unter realitätsnahen Bedingungen zu testen und ihre industrielle Umsetzbarkeit nachzuweisen.

Kernbereiche der zukünftigen Forschungsarbeit sind unter anderem Lehmbaustoffe und -bauteile, Wechselwirkungen zwischen Baustoffen und Umwelt, Neue Bindemittelsysteme zur Reduktion von Portlandzementklinker und der Entwicklung klimafreundlicher Alternativen sowie Recycling und Kreislaufwirtschaft zur Aufbereitung und Wiederverwertung von Baustoffen.

Mit dem »Innovationszentrum-Bau« wird Weimar seine Rolle als führender Standort für nachhaltige Bauinnovation weiter ausbauen. Das Zentrum stärkt nicht nur die regionale Forschungslandschaft, sondern schafft auch wichtige Impulse für die Bauindustrie in Deutschland und darüber hinaus. Zugleich ist das Innovationszentrum ein wichtiger Baustein der geplanten Forschungsinfrastruktur rund um das künftige »Bundesforschungszentrum für klimaneutrales und ressourceneffizientes Bauen« (BFZ) am Standort Weimar, dessen Aufbau der Freistaat Thüringen dem Bund zugesagt hat.

Bei der offiziellen Grundsteinlegung waren Ministerpräsident Mario Voigt und Wirtschaftsministerin Colette Boos-John sowie die Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, Elisabeth Kaiser, anwesend. Zur Finanzierung des Vorhabens übergab die Wirtschaftsministerin einen Förderbescheid über knapp 10,6 Millionen Euro an das Institut für Angewandte Bauforschung (IAB Weimar). Die Förderung aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) wird zu gleichen Teilen vom Freistaat und vom Bund getragen.  Die Gesamtkosten für den Forschungsneubau belaufen sich auf gut 15 Millionen Euro.

Ministerpräsident Mario Voigt betonte die strategische Bedeutung des Vorhabens: „Mit dem ThIZ-BAU stärken wir Thüringen als Standort für nachhaltige Bauinnovation. In Weimar entsteht ein Zentrum, das Forschung und Praxis konsequent zusammenbringt – vom Labor direkt auf die Baustelle. Hier werden Lösungen entwickelt, die unsere Bauwirtschaft moderner, effizienter und klimafreundlicher machen. Thüringen gestaltet diesen Wandel aktiv – mit Innovation, die im Alltag ankommt. Davon profitieren unsere Unternehmen, unsere Beschäftigten und die Wertschöpfung im ganzen Land.“

Wirtschaftsministerin Colette Boos-John hob die wirtschaftspolitische Zielsetzung hervor: „Das ThIZ-BAU ist zentrales Projekt einer transformationsorientierten Industrie- und Innovationspolitik. Wir investieren nicht nur in Forschung, sondern in eine anwendungsnahe Infrastruktur, die die Wirtschaft konkret nutzen kann. Gerade kleine und mittlere Unternehmen erhalten hier künftig Zugang zu moderner Forschungsinfrastruktur, können neue Materialien und Verfahren erproben und Innovationen schneller in den Markt bringen.“

Staatsministerin Elisabeth Kaiser, Beauftragte der Bundesregierung für die neuen Bundesländer, unterstrich die überregionale Bedeutung des Vorhabens: „Mit dem neuen Forschungsgebäude wird der bestehende Weimarer Forschungsverbund gestärkt. Die heutige Grundsteinlegung verdeutlicht die gestiegene Innovationskraft Ostdeutschlands.“

Der Bausektor ist von zentraler Bedeutung für Thüringen und Deutschland: Bundesweit erwirtschaftet die Branche einen jährlichen Umsatz von rund 200 Milliarden Euro. In Thüringen entfallen 6,7 Prozent der Bruttowertschöpfung auf das Baugewerbe, das mit rund 2.600 Betrieben und etwa 24.500 Beschäftigten stark mittelständisch geprägt ist. Gleichzeitig zählt die Branche zu den rohstoff- und energieintensivsten Wirtschaftszweigen und steht angesichts steigender Energie- und Materialkosten, knapper werdender Rohstoffe, des Fachkräftemangels sowie ambitionierter Klimaziele vor einem tiefgreifenden Transformationsprozess.

Der Beitrag In Weimar entsteht die Zukunft des Bauens erschien zuerst auf Redaktionsnetzwerk Ost.