
Berlin. Die Pleitewelle reißt auch 2026 viele ostdeutsche Unternehmen mit. Betroffen sind unterschiedlichste Branchen von Automobilzulieferern bis zur Gastronomie. Eine Übersicht über das Geschehen im April und Mai.
Von Matthias Salm
Allein in der Gastronomie gaben in den Jahren 2024 und 2025 bundesweit rund 24.500 Gaststätten, Restaurants und Lokale auf. Auch die Zahl der Insolvenzen legte zu – 2025 um fast 30 Prozent und damit deutlich stärker als im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Aber nicht immer bedeutet die Insolvenz auch das endgültige Aus. Einige Unternehmen konnten sich sanieren oder wurden von Investoren übernommen. Eine Übersicht über das Insolvenzgeschehen in Ostdeutschland im April und Mai.
Handel: Die Handelskette Mäc-Geiz aus Landsberg in Sachsen-Anhalt ist in die Insolvenz gerutscht. Der Discounter hat Insolvenzantrag beim Amtsgericht Halle an der Saale gestellt. Ebenfalls betroffen ist die Retail Services GmbH Deutschland, die die Verwaltung des Discounters betreibt. Das Unternehmen führt in seinen Filialen über 3.000 Artikel des täglichen Bedarfs.
Brauereiwirtschaft: Das erst 2019 gegründete Brauerei-Startup Lohrmanns Brauerei GmbH in Dresden hat Mitte April beim Amtsgericht Dresden Insolvenz in Eigenverwaltung beantragt. Der Betrieb soll zunächst weiterlaufen. Hohe Investitionen und gestiegene Kosten haben zur Situation beigetragen. Parallel will die Brauerei das Angebot um neue alkoholfreie Sorten erweitern.
Maschinenbau: Die Sondermaschinenbau Engelsdorf aus Leipzig mit 48 Mitarbeitern hat einen Insolvenzantrag eingereicht, nachdem Großaufträge entfallen waren. Das Unternehmen verfüge jedoch über einen gesunden geschäftlichen Kern, so die Insolvenzverwaltung.
Automobilbranche: Vom insolventen fränkischen Automobilzulieferer Plastic Manufacturing wird vermeldet, dass zwei Standorte verkauft werden konnten. Nicht aber der ostdeutsche Standort im sächsischen Oberlungwitz, der vor dem Aus steht.
Maschinenbau: Auch die Jörg Wappler Werkzeugmaschinen OHG in Coswig mit 42 Beschäftigten befindet sich in einem vorläufigen gerichtlichen Sanierungsverfahren.
Metallbau: Keine Hoffnung gibt es für die DSG Werkzeug- und Metallbau GmbH in Obergurig. Die 1995 gegründete Firma wird geschlossen.
Papierindustrie: Die Papierfabrik Hainsberg in Freital ist hingegen noch auf der Suche nach einem Investor. Es ist bereits die dritte Insolvenz in neun Jahren für das 1838 gegründete Unternehmen.
Textilindustrie: Der Damastproduzent Damino aus Großschönau im Landkreis Görlitz wurde von einem Textilhersteller aus dem usbekischen Buchara übernommen. Die Usbeken hatten bereits die Marke „Curt Bauer“ in Aue-Bad Schlema übernommen.
Fliesenbranche: Das Fliesenwerk in Leisnig, zur Panariagroup Deutschland GmbH gehörend, muss sich ebenfalls im Insolvenzverfahren sanieren. 230 Beschäftigte bangen um ihren Job. Das Werk gilt als größte Fliesenfabrik Deutschlands, stand aber bereits 2023 vor dem Aus und wurde von der italienischen Unternehmensgruppe übernommen. Bauflaute und hohe Energiekosten setzen der Branche zu.
Landwirtschaft: Die BLF Schweineaufzucht GmbH mit Sitz in Bernitt im Landkreis Rostock und die verbundene MV Babyporc GmbH mussten Insolvenz anmelden. Die Unternehmen beschäftigten zusammen 28 Mitarbeiter. Die Tierhaltung steht bundesweit unter Druck. Lange Transportwege, hohe Energie- und Versorgungskosten und steigende Auflagen werden beklagt.
Landwirtschaft: Das Naturgut Köllnitz am Großen Schauener See im Landkreis Oder-Spree ist im Insolvenzverfahren. Der Betrieb umfasst eine traditionsreiche Fischerei, Räucherei, Hofladen, Restaurant und Hotel.
Maschinenbau: Der Thüringer Weltmarktführer ELIOG Industrieofenbau GmbH aus Römhild ist auf Spezialöfen für die Industrie spezialisiert. Auch hier wurde Insolvenz angemeldet. Es fehlen Aufträge u.a. aus der Autoindustrie.
Der Beitrag Insolvenzgeschehen Ost: So ist die Lage erschien zuerst auf Redaktionsnetzwerk Ost.