Hennigsdorf. Europas Bahnstromsysteme unter einem Dach: Hennigsdorf wird zu einem der modernsten Inbetriebsetzungsstandorte Europas. Am Standort entstehen 128 zukunftssichere Arbeitsplätze. 

Im neuen Kundenabnahmezentrum werden Züge unter der Spannung ihres späteren Einsatzlandes geprüft. An der August-Conrad-Straße hat der Schweizer Schienenfahrzeughersteller heute die Halle 1 – das Kundenabnahmezentrum – feierlich eingeweiht. Damit ist die zweite von fünf Etappen abgeschlossen, mit denen Stadler den Standort bis 2027 zum vollwertigen Inbetriebsetzungszentrum (IBS) ausbaut.

Im Landkreis Oberhavel direkt nördlich von Berlin werden künftig alle Züge betriebsbereit gemacht, die im benachbarten Stadler-Werk in Berlin-Pankow gefertigt werden. „Inbetriebsetzung“ – das umfasst alles zwischen der Montage und der Übergabe an den Kunden: Bordsysteme hochfahren, Hard- und Softwaretests im Stand und während der Fahrt, statische und dynamische Abnahmen. In Hennigsdorf kann dies künftig für mehrere Großaufträge parallel laufen. 

Stadler ist seit über 20 Jahren in der Metropolregion Berlin-Brandenburg präsent. Mit Hennigsdorf bündelt das Unternehmen Aktivitäten, die bislang am IBS-Standort Velten angesiedelt waren. 2023 erwarb Stadler das rund 46.000 Quadratmeter große Grundstück in Hennigsdorf – einem Ort, der seit über hundert Jahren für den Schienenfahrzeugbau steht und nur wenige Kilometer vom Fertigungswerk in Berlin-Pankow entfernt liegt. Das Investitionsvolumen beträgt rund 40 Millionen Euro. 

Eine eigene Oberleitung in der Halle – erstmals in einem Stadler-Werk in Deutschland – spannt sich über drei Hallengleise. Damit kann jeder Zug schon in der Halle, lange vor der ersten Fahrt im Freien, unter realer Fahrleitungsspannung gestartet, geprüft und gemeinsam mit dem Kunden begutachtet werden. 

Das Herzstück des Standorts ist die Mehrspannungsversorgungsanlage (MSVA). Sie gleicht die große Vielfalt im Bahnstromnetz Europas aus: Während etwa Deutschland, Österreich und die Schweiz überwiegend mit 15 kV bei 16,7 Hz fahren, nutzen andere Länder wie Frankreich oder Spanien 25 kV bei 50 Hz. Auch im städtischen Verkehr gibt es Unterschiede: U- Bahnen werden meist über Stromschiene und mit abweichender Spannung betrieben, ebenso Straßenbahnen mit eigenen Systemen. Mit der MSVA lassen sich Stadler-Züge unter all diesen Bedingungen testen. 

„Hennigsdorf steht seit über hundert Jahren für den Schienenfahrzeugbau. Mit Stadler bekommt diese Tradition weiteren wichtigen Impuls. Die Ansiedlung passt sehr gut in unser Profil als innovativer Industriestandort“, sagt Thomas Günther, Bürgermeister von Hennigsdorf“,