
Berlin. Zum ersten Mal sollen Offshore-Konverterplattformen des neuen 2-GW-Standards für die Netzanbindung von Windparks auf dem Meer überwiegend in Deutschland gebaut werden. Das gab 50Hertz bekannt.
Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat ein Konsortium bestehend aus den Unternehmen Siemens Energy und NEPTUN SMULDERS Offshore Renewables (NSORe) nach einer Ausschreibung mit der Errichtung eines Konvertersystems für das Offshore-Netzanbindungsprojekt North Sea Connector 2 beauftragt. NEPTUN SMULDERS Offshore Renewables ist ein paritätisches Joint Venture der zur MEYER WERFT Gruppe gehörenden NEPTUN WERFT und dem belgischen Konstruktionsunternehmen Smulders, einem Tochterunternehmen der Group Eiffage mit Sitz in Rostock.
Es besteht aus einer Plattform auf dem Meer und einer Station an Land. Für eine weitere Konverter-Plattform in gleicher Dimension wurden Verhandlungen mit NSORe aufgenommen. Auch dafür sollen wesentliche Komponenten in Rostock-Warnemünde gefertigt werden. Kommt dieser Auftrag zustande, würden sich die beiden Projekte zusammen auf ein Volumen für NSORe von rund 2,5 Milliarden Euro überwiegend für Produktion und Dienstleistungen in Mecklenburg-Vorpommern summieren.
Das Konsortium ist für die vollständige Umsetzung und damit schlüsselfertige Übergabe der Anlagen zuständig. Es umfasst die Planung des Gesamtsystems, die Beschaffung der Komponenten, den Bau, die Installation an Land und auf See sowie die Inbetriebnahme. Die landseitigen Konverter werden in einem neuen Umspannwerk in der Nähe von Schwerin bei der Gemeinde Mühlenbeck errichtet. Dort endet zukünftig die Gleichstromverbindung NordOstLink zwischen Nordseeküste und Mecklenburg-Vorpommern. Die Offshore-Konverter sollen in der Nordsee rund 200 Kilometer westlich der Insel Sylt installiert werden. Der North Sea Connector 2 beinhaltet die Offshore-Netzanbindung LanWin6 und die Gleichstromverbindung DC32 als Teil des NordOstLink.
Die NEPTUN-Werft wird die Topside, das „Hauptgebäude“ der Offshore-Plattform her- stellen, in dem u.a. die Transformatoren, Schaltanlagen und Konverter untergebracht sind. In Rostock wird der Großteil der Konstruktion und Fertigung erfolgen. Durch die Aufträge können langfristig mehr als 500 neue Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern bei den beteiligten Unternehmen und Zulieferern geschaffen werden. Smulders fertigt die stählerne Unterkonstruktion, die sogenannte Jacket-Foundation, auf der eigenen Werft in Vlissingen in den Niederlanden. Stefan Kapferer, CEO 50Hertz, freut sich: „Als Übertragungsnetzbetreiber für Ostdeutschland, Berlin und Hamburg freuen wir uns, dass sich in einem transparenten und offenen Ausschreibungsverfahren sowohl preislich als auch technisch ein Konsortium durchsetzen konnte, das wesentliche Komponenten auf einer Werft in unse- rem Netzgebiet fertigen lässt.“
Weltweit gibt es bislang nur wenige Anbieter, die 2-Gigawatt-Offshore-Konverterplattformen bauen können. „ Umso bedeutender ist es, dass nun ein Konsortium entstanden ist, das den Einstieg in den Konverterplattformbau in Deutschland wagt und dabei seine technologi- sche Kompetenz und Ingenieurskunst eindrucksvoll unter Beweis stellt“, erklärt Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche.