Berlin. Die Pleitewelle reißt auch 2026 viele ostdeutsche Unternehmen mit. Betroffen sind unterschiedlichste Branchen von Automobilzulieferern bis zur Gastronomie. Eine Übersicht über das Geschehen im Juni und Juli.

Der mehrjährige Anstieg der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland setzt sich 2026 fort, wie die aktuellen Halbjahreszahlen der Creditreform Wirtschaftsforschung zeigen.

Bereits seit 2023 steigen die Insolvenzzahlen deutlich an. Die  Halbjahreszahlen der Creditreform Wirtschaftsforschung sprechen eine klare Sprache: Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen stieg demnach im ersten Halbjahr 2026 um 7,8 Prozent auf 12.900 Fälle. Das ist der höchste Stand seit 2013. Damals wurden im ersten Halbjahr 13.310 Fälle registriert.

Die steigenden Insolvenzzahlen deuten auf eine strukturelle Krise bei den deutschen Unternehmen.

Insgesamt sind von den bisher im laufenden Jahr registrierten Insolvenzfällen rund 165.000 Arbeitsplätze betroffen.

Treiber des Insolvenzgeschehens im ersten Halbjahr sind größere Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Bei den Betrieben mit 51 bis 250 Beschäftigten fiel der Anstieg mit 4,8 Prozent erheblich geringer aus. 

Blickt man auf die einzelnen Wirtschaftsbereiche, so kam es allein im Handel gegen den allgemeinen Trend zu einem Rückgang des Insolvenzgeschehens. Mit 2.210 Insolvenzen wurde der Vorjahreswert leicht unterschritten. Dagegen stiegen die Insolvenzzahlen im Dienstleistungssektor um 12,6 Prozent auf rund 7.900 Fälle. Im Baugewerbe stiegen die Zahlen um 4,5 Prozent.

Auch in Ostdeutschland war in den letzten zwei Monaten wieder die gesamte Spannbreite der Wirtschaft betroffen. Eine Übersicht:

Glasindustrie: Die Telux Glasproducts & Components GmbH mit Sitz in Weißwasser beschäftigt 16 Mitarbeiter und produziert Rohstoffgemische für die Glasherstellung. Der Geschäftsbetrieb läuft aber nach dem Insolvenzantrag weiter. 

Automobilindustrie: Die Automobilzulieferer in Sachsen-Anhalt stehen schwer unter Druck. Nach Bohai Automotive und der Schlote Gruppe im Harz ist nun auch die Weber Magdeburg GmbH in schwerem Fahrwasser. Zumindest berichtet die IG Metall über eine drohende Insolvenz. 

Brauereiwirtschaft: Die deutschen Bier-Brauer stecken ebenfalls in der Krise. Die Colbitzer Heide-Brauerei hat Insolvenz angemeldet. Eine Folge der Insolvenz der Muttergesellschaft Hofbrauhaus Wolters in Braunschweig. 

Anlagenbau: Die WUTRA Fördertechnik GmbH aus Wurzen hat mehr als 130 Jahre Geschichte in den Büchern. Nun durchläuft das Unternehmen ein Sanierungsverfahren in Eigenverantwortung. Der Spezialist für Fördertechnik leidet unter internationaler Konkurrenz und steigenden Kosten bei schwacher Auftragslage. 

Solarindustrie: Die Clen Solar GmbH & Co. KG aus Schneeberg hat ein vorläufiges Insolvenzverfahren angemeldet:. Der Geschäftsbetrieb läuft zunächst weiter. Auch hier gehen Kostensteigerungen mit einem schwierigen Marktumfeld Hand in Hand.

Immobilien: Die Kalle Halle G6 GmbH in Berlin hat ebenfalls Insolvenz angemeldet. Dahinter steckt das Projekt einer Food-Hall im ehemaligen Karstadt-Gebäude im Bezirk Neukölln. Nun gehen die beteiligten Gastronomen in mehr Eigenverantwortung. Ein weiteres Beispiel, wie sehr die Gastronomie durch Corona und Preisschocks gelitten hat. 

Möbelbranche: Die Insolvenz des Büromöbelherstellers OKA im April hatte viele Neugersdorfer aufgeschreckt. Nun startet das Unternehmen mit neuen Gesellschaftern einen Neuanfang

Gesundheitswirtschaft: Noch ein Lichtblick: Das Jüdische Krankenhaus im Berliner Ortsteil Gesundbrunnen, das letztes Jahr Insolvenz anmelden musste, wurde vom türkischen Krankenhausunternehmen Medicana übernommen. 

Schienenverkehr: Lichtblick auch bei Heiterblick. Die polnische Pesa Bydgoszcz hat den ins Schlingern geratenen Leipziger Straßenbahnfabrikanten Heiterblick endgültig übernommen. 

Handwerk: Besonders dramatisch ist die Lage der Bäckereien in Deutschland. Die Zahl der Pleiten belief sich im ersten Halbjahr laut Auskunftei Creditreform bundesweit auf 63.  40 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zu den Opfern zählt auch die Bäckerei Lampe aus Roßleben-Wiehe mit 280 Beschäftigten. Sie will sich im Insolvenzverfahren neu aufstellen.