
Magdeburg. Damit jederzeit und bei jedem Wetter in Deutschland ausreichend Strom erzeugt wird, sollen bundesweit in den kommenden Jahren neue Gaskraftwerke gebaut werden. Auch Standorte in Ostdeutschland haben Chancen.
Die von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche vorgelegte Kraftwerksstrategie stieß bislang jedoch auf erhebliche Kritik, weil potenzielle Kraftwerksstandorte in Ostdeutschland wohl nicht zum Zuge gekommen wären. Die Berliner Koalition will nun umsteuern, damit auch Standorte in Nord- und Ostdeutschland bei der Ausschreibung neuer Kapazitäten berücksichtigt werden.
Sachsen-Anhalts Energieminister Prof. Dr. Armin Willingmann begrüßt den geplanten Kurswechsel ausdrücklich. „Für Sachsen-Anhalt ist es eine gute Nachricht, dass der Süden Deutschlands bei der Kraftwerksstrategie nicht mehr so einseitig bevorzugt wird“, erklärte der Minister am heutigen Mittwoch. „Die bislang geplante Bevorzugung des netztechnischen Südens hätte uns im Osten massiv geschadet. Das Kraftwerk Schkopau versorgt die Chemieindustrie mit Strom und Prozessdampf, ist auch für die Deutsche Bahn ein wichtiger Stromlieferant. Ohne die Möglichkeit, das Kraftwerk in den kommenden Jahren von Kohleverstromung auf Gas umzustellen, hätte sich Ende 2034 eine erhebliche Versorgungslücke aufgetan.“
Die Berliner Koalition will im Entwurf des Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetz (StromVKG) nachbessern. Der sogenannte Südbonus soll nicht mehr in der bisherigen Form gelten. Bis zu zwei Drittel der ausgeschriebenen Kraftwerkskapazitäten sollten nach den bisherigen Plänen vorrangig in den „netztechnischen Süden“ gehen, zu dem die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland zählen. Nach dem neuen Vorschlag sollen zunächst die günstigsten Gebote gewählt werden und der Südbonus erst dann greifen, wenn bei der Ausschreibung ein Drittel der Zuschläge in den netztechnischen Norden gegangen ist, zu dem auch Sachsen-Anhalt zählt.
„Das Kraftwerk Schkopau hat jetzt eine aussichtsreiche Chance, erfolgreich an den Ausschreibungen teilzunehmen“, erklärte Willingmann. „Das ist ganz entscheidend, um die Chemieindustrie wettbewerbsfähig zu halten. Wichtig ist, nun auch den Zeitplan für die Ausschreibungen zu halten. Auch die neue Bundesregierung hat Zeit bei der Weiterentwicklung der Kraftwerksstrategie verloren. Ursprünglich wollte bereits Reiches Vorgänger Robert Habeck eine Strategie vorlegen. Vor allem das Gezerre zwischen Reiche und der EU-Kommission um das Volumen der Kraftwerkskapazitäten hat den Prozess – aus meiner Sicht völlig unnötig – verzögert.“
Das Kohlekraftwerk in Schkopau ist das größte Kraftwerk in Sachsen-Anhalt. Bis zu fünf Millionen Tonnen Braunkohle aus dem Tagebau Profen wandelt das Kraftwerk im Laufe eines Jahres in Strom und Prozessdampf um, versorgt damit Haushalte und Industrie im mitteldeutschen Raum. Gemäß Kohleverstromungsbeendigungsgesetz ist die Laufzeit des Braunkohlenkraftwerks Schkopau jedoch bis Ende 2034 begrenzt.