
Berlin. Die Berliner Wirtschaftsförderung hat im ersten Halbjahr 2026 einen neuen Rekord erzielt. Die Investitionen erreichen eine Top-Summe in Höhe von 1,4 Milliarden Euro – 110 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres.
Zum ersten Mal wurde die Grenze von einer Milliarde schon im ersten Halbjahr geknackt. Zugleich lag das Ergebnis um 27 Prozent höher als das beste Jahresergebnis, das die Wirtschaftsförderung bisher erzielen konnte. 139 Projekte konnten erfolgreich gemeldet werden, darunter 43 Neuansiedlungen in Berlin. Bei den Neuansiedlungen kommen über die Hälfte aus Deutschland, gefolgt von den USA mit sechs, China mit vier und der Türkei mit drei Ansiedlungen. Alle drei Länder sind schon seit langem die Quelländer von Investitionen in der Hauptstadt. Gegenwärtig sollen Investoren vor allem aus Indien gewonnen werden.
Insgesamt können 2.919 Arbeitsplätze in diesen Projekten verzeichnet werden. Diese teilen sich auf in neu geplante (1.774) sowie gesicherte Arbeitsplätze (1.145).
Die von Berlin Partner begleiteten 41 Innovationsprojekte von Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen in Forschung und Entwicklung liegen im ersten Halbjahr 2026 bei
rund 70 Millionen Euro, damit ungefähr gleich auf wie im vergangenen Jahr.
Die Berliner Digitalwirtschaft trug erheblich zum Ergebnis bei. Mit einem Anteil von 15 Prozent an der gesamten Wirtschaftsleistung ist der IKT‑Sektor inzwischen der bedeutendste Wirtschaftsbereich Berlins. Insgesamt sind hier rund 145.158 Menschen beschäftigt – mehr als in jeder anderen deutschen Großstadt.
Die 12.629 Digitalunternehmen in Berlin erwirtschafteten zuletzt einen Umsatz von rund 39,4 Milliarden Euro (2023).“Das ist ein veritabler Wirtschaftsfaktor und weiter im Wachstum“, sagt Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey. Der Trend zu KI-Nutzung in der Berliner Wirtschaft setzt sich unterdessen fort. 40 Prozent der Unternehmen nutzen bereits heute KI-Tools. Die Hauptstadt liegt damit mit einem Plus von fünf Prozent deutlich über dem Bundesdurchschnitt.
Berlin Partner registriert vor allem zwei Auswirkungen der Digitalisierung. Zum einen gibt es vermehrt Investitionen in den Standort Berlin. Beispiele dafür sind unter anderem das Google AI Center Berlin, die Erweiterung des HighTech-Konzerns ASML, die Mercedes Digital Factory mit der Erweiterung um die Themen KI und humanoide Roboter oder auch Siemens Energy mit der Schaffung eines Innovationscenters.
Auf der anderen Seite führt die zunehmende Digitalisierung aber auch zum Abbau vor allem von Büroarbeitsplätzen. Aufgaben wie Logistik, Buchhaltung, Personalwesen, Kundenservice oder IT-Dienstleistungen lassen sich immer mehr und immer leichter durch KI ersetzen oder sie werden ins Ausland verlagert. Auch dafür gibt es Beispiele in Berlin,
wie z.B. in den Dienstleistungssparten von BASF.
Franziska Giffey, Bürgermeisterin und Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe, kommentierte die Ergebnisse: „Dass es nur drei Mal seit dem Mauerfall gelungen ist, Investitionen in dieser Größenordnung
nach Berlin zu holen, macht deutlich, welche außergewöhnliche Leistung dahintersteht. All das ist in dieser Legislatur gelungen.“
Giffey verwies bei der Vorstellung der Zahlen auf die Deep Tech Agenda Berlin, die es so in keinem anderen Bundesland gäbe. Die Stärken Berlins seien KI, Biotechnologie, Health Tech, Mikroelektronik, innovative Fertigung und Software. Berlin wolle künftig auch das Thema Defence stärker angehen, so Giffey.
Dr. Stefan Franzke, Geschäftsführer von Berlin Partner, ergänzte: „Berlin spielt international weiter in der Spitzenliga der Innovationsstandorte mit. Das zeigt sich zum einen am Investitionsrekord, zum anderen
an unseren europäischen Platzierungen im Bereich Startups sowie an der Top‑Bewertung im globalen Ranking der Metropolregionen.“
Franzke nannte das Investitionsbeispiel Rechenzentren. Für diese werden Energiesysteme gebraucht. Die liefert in Berlin Siemens Energy in der Energieerzeugung, -umwandlung und Energieverteilung. In Berlin gäbe es zudem auch Spezial-Chipshersteller, die in Rechenzentren benötigt werden. ASML als Anlagenbauer für Chipfabriken ist ebenfalls in Berlin ansässig.
Berlin ist zudem der größte Startup-Standort Deutschlands: Das Ökosystem hat einen Gesamtwert von 169 Milliarden Euro, umfasst rund 1.600 VC-finanzierte Startups und beherbergt 32 Unicorns. Aber auch im europaweiten Vergleich kann sich Berlin sehen lassen. Nach London
gilt die Hauptstadt als die attraktivste und beliebteste Stadt für Gründer in Europa. Bei der Anzahl der Finanzierungsrunden seit 2024 kann sich die Hauptstadt mit 996 Runden auf Platz 2 in Europa behaupten – hinter London (2.400), aber vor Paris (990).
Fintech ist und bleibt die führende Startup-Branche in Berlin: weltweit Platz 9, in Westeuropa auf Platz 3 (vor London und Paris) und bundesweit auf Platz 1. Die Berliner Fintech-Branche zählt 268 Startups. Zudem sind in Berlin 1,09 Prozent der weltweiten Fintech-Startups ansässig.