Berlin. Mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer in Deutschland suchen immer seltener eine Bankfiliale auf. Besonders in den ostdeutschen Ländern müssen die Unternehmen zudem deutlich längere Distanzen zurücklegen.

Im Jahr 2024 nahmen erstmals weniger als die Hälfte der Unternehmen, nämlich 47 Prozent, mindestens einen Geschäftstermin in einer Bank- oder Sparkassenfiliale wahr. Drei Jahre zuvor waren es 50 Prozent, im Jahr 2017 noch 65 Prozent. Der Rückgang der Filialbesuche geht somit weiter, die Dynamik hat sich aber im Vergleich zu den Vorerhebungen verlangsamt. Das sind Ergebnisse einer Sonderauswertung zum KfW-Mittelstandspanel.

In absoluten Unternehmenszahlen ausgedrückt zeigt sich: 1,8 Millionen Mittelständler besuchten 2024 eine Bank- oder Sparkassenfiliale – 60.000 weniger als 2021 und 620.000 weniger als im Jahr 2017. Unternehmen, die ihren Weg noch in eine Filiale fanden, besuchten diese dann im Schnitt 3,15 Mal. Zusammengerechnet ergibt sich somit für das Jahr 2024 eine Zahl von etwa 5,7 Millionen Geschäftsterminen von Mittelständlern mit Kreditinstituten und damit rund 700.000 weniger als 2021 und fast vier Millionen weniger als 2017.Die Gründe für den Rückgang der Filialkontakte sind mannigfaltig.Die Bereitschaft im Mittelstand, überhaupt Investitionen anzugehen, stagniert seit vielen Jahren. Wenn die Unternehmen dann Investitionen vornehmen, verzichten sie immer häufiger auf eine Bankfinanzierung. Dadurch benötigen sie auch seltener Kontakt zu Kreditinstituten“, sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. Zudem: „Banken und Sparkassen digitalisieren sich immer stärker, die Unternehmen fragen vermehrt digitale Angebote nach. Auch dadurch entfällt die Notwendigkeit, Filialen aufzusuchen.“

Ein weiterer Grund dürfte sein: Die Zahl der Bankfilialen sinkt seit Jahren. Seit der Jahrtausendwende haben die Banken und Sparkassen hierzulande 69 Prozent ihrer Zweigstellen geschlossen. Dies umfasst Filialen sowie Außenstellen mit Selbstbedienungsterminals und zusätzlicher persönlicher Beratungsmöglichkeit.Für Mittelständler ist es dadurch zeitlich auch etwas aufwendiger geworden, eine Filiale zu erreichen – der Mehraufwand ist aber moderat. Im Jahr 2024 benötigte ein mittelständischer Unternehmer im Schnitt 16,7 Minuten vom Firmensitz bis zur nächstgelegenen Filiale; 2021 waren es noch 15,5 Minuten. Dabei sind die Unterschiede im urbanen und im ländlichen Raum gering: In der Stadt benötigten Unternehmen im Schnitt 16,5, auf dem Land 17,1 Minuten.

Die Spannbreite zwischen den Bundesländern ist hingegen größer. Besonders in den ostdeutschen Ländern müssen die Unternehmen deutlichlängere Distanzen zur nächsten Bankfiliale zurücklegen. In Mecklenburg-Vorpommern (22,6)  und in Brandenburg (22.5) fast 23 Minuten – in Bremen dagegen nur etwas über 13 Minuten, in Hamburg und Bayern gut 15 Minuten. Auch in Berlin (21,3 Minuten), Sachsen-Anhalt (20,4) und Sachsen (19,3) sind die Anfahrtszeiten länger als im Westen. Nur in Thüringen (17,2) sind die Wege kürzer. Die Ursache hierfür liegt in der niedrigen Bankfilialdichte im Großteil der ostdeutschen Regionen.

Der Beitrag Ostdeutsche haben es weiter zur nächsten Bankfiliale erschien zuerst auf Redaktionsnetzwerk Ost.