Bad Saarow. Auf dem Ostdeutschen Wirtschaftsforum preisen Fondsmanager Florian Steger und Unternehmerin Larissa Zeichardt die Innovationskraft polnischer Startups. Noch haben zu wenige Unternehmen dies entdeckt. 

Florian Steger ist Managing Partner bei Betacluster Ventures, einem millionenstarken Early-Stage-Fonds, der in polnische Tech-Startups investiert. Der Fonds wird vom polnischen Staatsfonds PFR ankerfinanziert und hat Limited Partner aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Staaten.

Larissa Zeichhardt ist gemeinsam mit ihrer Schwester Arabelle Laternser Chefin des Familienunternehmens LAT in Berlin. Sie hat das Unternehmen konsequent digitalisiert und dafür mehrfach Wirtschaftspreise erhalten. LAT ist spezialisiert auf Bahnstrom-, Sicherheits- und Netzwerktechnik. Die Chancen von Robotik und KI gehören zu Zeichhardts Lieblingsthemen. Zu Polen hat sie eine besondere Nähe, auch weil sie In Eisenhüttenstadt den grenzübergreifenden Campus Hütte etabliert hat. In Polen selbst ist ihr Unternehmen u.a. als Partner des polnischen Busherstellers Solaris aktiv, der auch für das Berliner Nahverkehrsunternehmen BVG produziert. Ihre Erfahrung aus der Arbeit mit polnischen Studenten und Auszubildenden in Eisenhüttenstadt: „Sie haben ein Menge mehr Biss. Bei uns wird zu viel zerredet:“

Auch Steger registriert ein großes Interesse polnischer Startups an einer Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen. „Da gibt es eine große Erwartungshaltung“, sagt Steger. Es gab aber auch Enttäuschungen in der Zusammenarbeit in der Vergangenheit, räumt Steger ein. Da habe es auf deutscher Seite an Investitionsfreudigkeit und Innovationswilligkeit gefehlt. 

Larissa Zeichhardt blickt fast schon euphorisch auf viele gemeinsame Projekte mit polnischen Partnern zurück. „In Polen werden die wichtigen Themen Ki und Robotik pragmatischer gehandhabt. Wir müssen die Perspektive ändern.“ Früher galt die Nähe zu Deutschland als Standortvorteil für Polen. „Heute muss es heißen: Polen ist die Rettung für Brandenburg.“ Dazu müsse sich aber die Infrastruktur weiter verbessern. An den Grenzübergängen gehe immer noch viel Zeit verloren und die Bahnverbindung Berlin-Warschau könnte besser sein. 

Die Zeit, in der Polen als verlängerte Werkbank für deutsche Unternehmen fungierte, sei vorbei, weiß auch Steger. In Polen werde das Thema Smart Data Economy entschiedener vorangetrieben. Die Beschäftigten verfügten über ein gutes Basis-Know-how aus den polnischen Universitäten. Auch würden KI-Lösungen von deutschen Firmen gerne in polnischen Werken erprobt, Auch dadurch sei viel Wissen entstanden. Die polnischen Unternehmen seien zudem sehr international orientiert. Sollten deutsche Unternehmen die Chancen nicht nutzen, werden andere Länder einspringen.