
Schwedt/Oder. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke haben in Schwedt den Fördermittelbescheid für das Projekt “Brandenburg eSAF” offiziell übergeben.
Bund und Land Brandenburg fördern das Vorhaben mit insgesamt 350 Millionen Euro. Auf dem Gelände der PCK-Raffinerie errichten ENERTRAG und ZAFFRA Deutschlands größte Produktionsanlage für nachhaltige Flugkraftstoffe (Electric Sustainable Aviation Fuels – eSAF) im industriellen Maßstab. Das Projekt firmiert künftig unter dem Namen “Brandenburg eSAF” (bisher Concrete Chemicals).
Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke erklärt: „In Brandenburg herrschen ideale Voraussetzungen für die Umsetzung dieses zukunftsweisenden Projekts. Brandenburg war, ist und bleibt Vorreiter für neue Antriebstechniken, auch in der Luftfahrt.“
Brandenburg eSAF produziert ab 2030 jährlich mehr als 30.000 Tonnen eSAF auf dem Gelände der PCK-Raffinerie in Schwedt. Die Anlage stellt aus mittels grünem Strom gewonnenen Wasserstoff und biogenem CO₂ über das Fischer-Tropsch-Verfahren klimaneutrale Flugkraftstoffe her, die im Vergleich zu fossilen Kraftstoffen mehr als 90% weniger CO2-Emissionen verursachen. Mit dieser Kapazität deckt das Projekt ein Viertel der deutschen eSAF-Beimischquote ab, die die ReFuelEU Aviation-Verordnung ab 2030 vorschreibt. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt mehr als 500 Millionen Euro, davon fördert der Bund 245 Millionen Euro und das Land Brandenburg 104 Millionen Euro. Diese Förderung unterstreicht das Vertrauen der öffentlichen Hand in dieses Leuchtturmprojekt.
Brandenburg eSAF reduziert Abhängigkeit von volatilen Öl-Importen, indem es auf lokale Rohstoffe setzt und heimische Kraftstoffversorgungsketten stärkt. Lokal produzierter Strom kann vor Ort veredelt werden und zu mehr Energiesouveränität in Deutschland beitragen.
Das Vorhaben schafft rund 150 qualifizierte Arbeitsplätze am Standort, in der Bauphase entstehen bis zu 1.500 Arbeitsplätze in der Region. Erneuerbare Geschäftsmodelle, Klimapolitik und etablierte Industriestrukturen greifen hier ineinander und stärken den traditionsreichen Industriestandort Schwedt.
ZAFFRA, ein Joint Venture von Topsoe und Sasol, bringt seine innovative G2L-eFuels-Plattform ein, die Sasols Fischer-Tropsch-Synthese mit Topsoes eREACT-Technologie kombiniert. ENERTRAG steuert seine Expertise bei Erneuerbaren Energien für die Wasserstoffelektrolyse bei. Das benötigte CO₂ liefert LEIPA Georg Leinfelder, ein Papierhersteller mit Sitz in Schwedt. Der grüne Wasserstoff wird zum Großteil über das H₂-Kernnetz (FLOW-Pipeline der Gascade) bezogen. Dies verleiht dem Projekt zukünftige Skalierbarkeit. Eine zusätzliche On-site-Elektrolyse ergänzt die Wasserstoffversorgung. Im April 2026 haben die Projektpartner die Griesemann Gruppe mit den Ingenieursstudien für den Anlagenbau beauftragt. Die Investitionsentscheidung wird bis Ende 2027 angestrebt, der Produktionsstart für 2030 anvisiert.
Der Beitrag Produktion von nachhaltigen Flugkraftstoffen in Schwedt erschien zuerst auf Redaktionsnetzwerk Ost.