
Erfurt. Thüringens Energieminister Tilo Kummer ist überzeugt: „Die Tiefengeothermie bietet große Chancen für eine sichere, klimaneutrale Wärmeversorgung.“ Die Thüringer informierten sich über ein Pilotprojekt in Bayern.
Deshalb informierten sich Expertinnen und Experten des Thüringer Energieministeriums über ein Pilotprojekt im bayerischen Geretsried. Mit dabei die kommunalen Energieversorger aus Gera und Jena, ein Hydrogeologe der TU Bergakademie Freiberg sowie zwei Vertretern einer Meininger Bürgerinitiative.
Sie informierten sich vor Ort über ein neuartiges Verfahren der Tiefengeothermie und dessen Potenziale zur Wärme- und Energiegewinnung für Thüringen.
In Geretsried wird ein in Deutschland bislang einzigartiger Ansatz verfolgt. Dort entsteht in rund 4.500 Metern Tiefe ein geschlossenes unterirdisches Röhrensystem. Eine zirkulierende Flüssigkeit nimmt die Wärme aus dem Gestein auf und transportiert sie an die Oberfläche. Die Anlage soll große Teile der Umgebung mit Fernwärme versorgen. Derzeit wird bereits aus einer ersten fertiggestellten Schleife („Loop“) Strom erzeugt.
Thüringens Energieminister Tilo Kummer: „Die Tiefengeothermie bietet große Chancen für eine sichere, klimaneutrale Wärmeversorgung. Vor allem wenn wir uns zunehmend selbst versorgen und unabhängiger von Energieeinfuhren werden wollen. Gleichzeitig bestehen noch offene Fragen, etwa zur Übertragbarkeit geologischer Bedingungen auf Thüringer Standorte, zu technischen Risiken, zu Wirtschaftlichkeit und zu Akzeptanzfragen in der Bevölkerung.“
Tiefengeothermie nutzt die in mehreren Kilometern Tiefe vorhandene Erdwärme zur klimaneutralen Energieversorgung. Anders als oberflächennahe Geothermie, die vor allem einzelne Gebäude beheizt, kann Tiefengeothermie ganze Stadtteile oder Städte mit Wärme versorgen und zusätzlich Strom erzeugen. Sie steht ganzjährig und wetterunabhängig sowie unabhängig von Rohstoffen aus Drittländern zur Verfügung und gilt daher als vielversprechender Baustein einer nachhaltigen Energie- und Wärmeversorgung
Gera, Jena und Erfurt prüfen entsprechende Optionen. In Erfurt werden demnächst geophysikalische Messungen zur Erkundung des tiefen Untergrundes durchgeführt. Diese sollen nach aktuellen Planungen für das Jahr 2028 durch eine rund 5,5 Kilometer tiefe Erprobungsbohrung ergänzt werden. Perspektivisch sollen dort mehr als 40.000 Haushalte mit Fernwärme auf Basis der Tiefengeothermie versorgt werden.
Die Kosten solcher Projekte sind erheblich: Allein eine Probebohrung kann rund 40 Millionen Euro kosten, das Gesamtinvestitionsvolumen liegt schnell im Bereich mehrerer hundert Millionen Euro. Eine Umsetzung gerade im Hinblick auf eine spätere, breitere Anwendung wird daher nur mit Unterstützung von Bund und Europäischen Förderprogrammen realistisch sein.
Der Beitrag Tiefengeothermie bietet Potenzial für Thüringen erschien zuerst auf Redaktionsnetzwerk Ost.