Potsdam. Der Tourismus in Ostdeutschland bleibt auf hohem Niveau stabil, befindet sich jedoch in einer Phase der Konsolidierung. Das zeigt das aktuelle Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes (OSV).

Von Matthias Salm

Mit 85,5 Millionen Übernachtungen (-0,2 Prozent) und 466,5 Millionen Tagesreisen bestätigt sich 2025 die stabile Nachfrage in den fünf ostdeutschen Bundesländern ohne Berlin. Der Tagestourismus erwirtschaftete dabei einen Bruttoumsatz von rund 13,9 Milliarden Euro und bleibt ein zentraler Umsatzträger der Branche. Mit 466,5 Millionen Tagesreisen gab es in Ostdeutschland ein Plus von 4,8 Prozent. Outdoor-Aktivitäten wie Wandern und Radfahren liegen weiterhin im Trend. Die meisten Übernachtungen verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern mit 33,3 Millionen. Gefolgt von Sachsen (19,7) und Brandenburg (14,3). 

In den Regionen fiel die Bilanz unterschiedlich aus. Rund um Berlin gingen die Übernachtungszahlen im Havelland, Fläming oder im Ruppiger Land zurück, nicht zuletzt auch wegen des verregneten Sommers. In Leipzig entfiel der Sondereffekt der Fußball-EM 2024. Positive Bilanzen zogen die Mecklenburgische Küste, die Mecklenburgische Seenplatte, Potsdam und die Flughafenregion im Südosten von Berlin. Auch die Region Chemnitz/Zwickau verbuchte Zuwächse durch das Kulturhauptstadtjahr. Insgesamt zeigte der ostdeutsche Übernachtungsmarkt nicht viel Bewegung. Auffallend war allerdings der Rückgang der Zahl der Reisenden aus dem Ausland. Dabei waren Sondereffekte zu beachten wie die Fußball-EM im Jahr 2024. Der Rückgang der Besucher aus Polen könnte hingegen der Konjunktur geschuldet sein. 

Andrea Kis, Direktorin des Landestourismusverband Sachsen, zeigt sich dennoch zufrieden: „ Für Sachsen war es ein gutes Jahr unter schwierigen Rahmenbedingungen. Insbesondere das Kulturhauptstadtjahr in der Region Chemnitz/Zwickau brachte Zuwächse. Wir sind überzeugt, dass es eine langfristige Wirkung haben wird. Es wurde die Infrastruktur ausgebaut und Image und Bekanntheit der Region gesteigert.“ Ulrike Köppel, Geschäftsführerin der Weimar GmbH, zieht für die Klassikerstadt ein gemischtes Fazit: „Der deutsche Markt erwies sich als stabil. Der internationale Markt hingegen schwächelte. Es gab Zuwächse bei Reisenden aus den USA und Frankreich, aber Rückgänge bei den Reisezahlen aus den Niederlanden und Großbritannien.“ Für Weimar bleibe es bedeutsam, Tagesreisen zu generieren. Dafür bedarf es eines entsprechenden Themenmarketings mit Veranstaltungen und Events. 

Die ostdeutsche Freizeitwirtschaft bewegte sich 2025 auf dem Vorjahresniveau. Rückläufig entwickelten sich die Nutzerzahlen der privaten Verkehrsträger. Auch bei den Kulturangeboten gab es ein leichtes Minus. Dafür legten die Erlebniseinrichtungen und Thermen um 2,2 Prozent zu. 

Geboomt hatte in den letzten Jahren vor allem die Campingwirtschaft. Die Kapazitäten in Ostdeutschland nahmen um weitere 2,7 Prozent zu, aber die Nachfrage ging erstmals um 1,8 Prozent zurück. 

Positiv entwickelt sich die Gästezufriedenheit: Der Performance-Score lag 2025 bei 85 Punkten (+0,8). Mecklenburg-Vorpommern führt mit 85,5 Punkten das ostdeutsche Ranking an und ist gemeinsam mit dem Saarland bundesweit Spitze. Sachsen erreicht mit 85,3 Punkten erneut Rang drei im Bundesvergleich. Auch Thüringen verbessert sich deutlich.

Besonders stark bewertet werden mit Service, Sauberkeit und Zimmerausstattung die Kernleistungen der Betriebe. Der Service wird dabei in Ostdeutschland mit der höchsten Punktzahl bewertet – auch wenn die Zufriedenheit der Gäste insgesamt etwas zurückging. Erstmalig ist die Kategorie Sauberkeit der Beherbergungsbetriebe aufgeführt. Gleich vier ostdeutsche Regionen schaffen es hier unter die Top 10 Destinationen bundesweit: Elbe-Elster-Land, Thüringer Rhön, Oberlausitz-Niederschlesien und Vogtland. Die Bewertungen der Zimmerausstattung zeigen allerdings weiteren Investitionsbedarf auf. Hingegen wurde die Breitbandverfügbarkeit in den ostdeutschen Tourismusregionen erheblich verbessert, vor allen in Mecklenburg-Vorpommern. 

Die Preise im ostdeutschen Gastgewerbe konsolidierten sich 2025. Die Preise in der Hotellerie sanken leicht um 0,7 Prozent. Die Preise in der Gastronomie entwickelten sich unterschiedlich. Das Schnitzel mit Pommes kostet im Schnitt in Ostdeutschland mittlerweile 20, 60 Euro, ein leichter Rückgang im Preis. 0,5 Liter Pils kosten hingegen im Schnitt nun 5 Euro, eine Preissteigerung um 4,6 Prozent. Auch die Eintrittskarten im Freizeitsektor wurden um 4,2 Prozent teuer.

Trotzdem stieg die Zufriedenheit mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis in Ostdeutschland, besonders in Thüringen und Sachsen. Am höchsten ist die Zufriedenheit in Sachsen-Anhalt, am geringsten in Brandenburg. Olaf Lücke, Hauptgeschäftsführer des DEHOGA Brandenburg, rät dazu, die Zahlen genau zu hinterfragen. Zwar steige in Brandenburg die Zahl der gastronomischen Betriebe. „ Aber es gibt ein Sterben in der Fläche aus den unterschiedlichsten Gründen. Landgasthöfe schließen, dafür eröffnen in den Städten Imbissangebote.“ Für den Touristen bedeutet dies aber insgesamt weniger Angebot in der Fläche. Auch der Umsatz der Branche leide. „Ein Landgasthof macht mehr Umsatz als zwei neue Imbisse“, so die Rechnung des DEHOGA-Chefs. 

So verschärft sich denn auch die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe. Trotz Preisanpassungen sinken die Umsätze, während die Kosten steigen. Die Folge: rückläufige Erträge. „Die Zahlen sind eindeutig: Trotz Preisanpassungen sinken die Umsätze, die Kosten steigen – die Marge bleibt auf der Strecke. Das erklärt, warum Investitionen stocken. Aber das rechtfertigt die Zurückhaltung nicht“, betonte der Geschäftsführende OSV-Präsident Ludger Weskamp. „Wer jetzt investiert, festigt eine Substanz, die sich diese Branche hart erarbeitet hat.“

Im Geschäftsjahr 2024 sank die Investitionsquote in Ostdeutschland um 0,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr – deutlich stärker als im bundesweiten Vergleich (-0,2 Prozent). Cash-Flow und Eigenkapital blieben weitgehend stabil, die Liquidität ist gesichert. Langfristig könne die Investitionszurückhaltung jedoch die Wettbewerbsfähigkeit gefährden, zeigt das Sparkassen-Tourismusbarometer.

Um die Konsolidierungsphase zu überwinden, empfiehlt das Tourismusbarometer gezielte Investitionen – zum Beispiel in energetische Sanierungen, neue Attraktionen in Freizeit- und Erlebniseinrichtungen oder auch digitale Infrastruktur wie Glasfaser- und 5G-Netze. Auch Investitionen in Qualifizierungsprogramme und attraktive Arbeitsbedingungen, um Personal langfristig zu binden, sind mit Blick auf den Fachkräftemangel in der Branche eine wichtige Investition in die Zukunft. 

Die Zahl der Erwerbstätigen nahm vor allem im Beherbungsgewerbe um 6,1 Prozent ab, stärker als bundesweit. In der Gastronomie und in der Freizeit- und Kulturwirtschaft nahm die Zahl der Beschäftigten um jeweils 0,7 Prozent zu, allerdings auch deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt. Das Gastgewerbe fürchtet vor allem die Arbeitskosten und den Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise in naher Zukunft. 

Das Tourismus-Barometer des Ostdeutschen Sparkassenverbands widmete sich auch den Aufgaben der Tourismusorganisationen. Diese finanzieren sich überwiegend aus öffentlichen Mitteln – auf lokaler Ebene zu 55 bis 75 Prozent, auf regionaler Ebene zu rund 80 Prozent. Diese Finanzierung bleibt unverzichtbar, muss aber durch klar nachweisbare Mehrwerte legitimiert werden: für Lebensqualität, Wirtschaftskraft und Standortentwicklung. Ergänzend gewinnen neue Modelle an Bedeutung – Eigenmittel, Crowdfunding oder Partnerschaften mit der regionalen Wirtschaft –, die Unabhängigkeit und Resilienz stärken.  „Um langfristig erfolgreich zu sein, braucht es zudem professionell aufgestellte Managementorganisationen, die Zuständigkeiten und Ressourcen besser bündeln und die regionale Wirtschaft stärker einbinden – durch finanzielle Beteiligung und mehr Mitsprache“, so Ludger Weskamp.

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