Die Umfrage „TrendOst 2026“ des Ostdeutschen Bankenverbandes zeigt die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage in Ostdeutschland auf. Bürokratiehindernisse und hohe Energiekosten bleiben zentrale Herausforderungen. Zugleich gibt es Lichtblicke bei der Investitionsneigung.
Die ostdeutsche Wirtschaft hat mit Herausforderungen wie Bürokratiehürden zu kämpfen. Abbildung: Stokkete/Depositphotos
Wie im letzten Jahr wurde die Befragung des Ostdeutschen Bankenverband e.V. (OstBV) über das Online-Portal Lamapoll durchgeführt. An der jährlichen Umfrage haben sich diesmal 179 Entscheider – unter anderem aus Unternehmen, Kammern und Verbänden – beteiligt.
Verbesserung bei der Investitionsneigung
Die Rahmenbedingungen am Wirtschaftsstandort Ost sind dem OstBV zufolge nur mittelmäßig. Knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer wählte auf der Skala von „sehr schlecht“ bis „sehr gut“ wie im Vorjahr nur eine mittlere Bewertung.
Skepsis ist bei der Frage nach der Entwicklung ausgewählter Themen in den nächsten fünf Jahren zu erkennen. 64 Prozent der Teilnehmer gehen davon aus, dass die Arbeitsplatzsicherheit in der angegebenen Zeitspanne abnehmen wird. Ähnlich sieht es bei der Einschätzung der Produktion am Standort Ost aus. 61 Prozent der Befragten rechnen hier mit einem Rückgang. 52 Prozent glauben zudem, dass die Investitionen am heimischen Standort in den nächsten fünf Jahren zurückgehen.
Zwei Drittel der Befragten rechnen damit, dass die Arbeitsplatzsicherheit in Ostdeutschland in den nächsten fünf Jahren abnimmt. Ostdeutscher Bankenverband e. V.
Auch wenn die Befragten mit einem Rückgang der Investitionen rechnen, gibt es bei der Investitionsneigung einen Lichtblick. Im vergangenen Jahr hatten noch 71 Prozent mit sinkenden Investitionen ostdeutscher Unternehmen im Bundesgebiet gerechnet. Dieser Wert ist aktuell bei 55 Prozent. Auch bei den Investitionen im EU-Gebiet gibt es positivere Erwartungen. 27 Prozent der Befragten glauben, dass die Investitionen ostdeutscher Unternehmen im EU-Gebiet steigen werden. Dies sind nach Angaben des OstBV mehr als bei der Vorjahresumfrage. Die positivste Erwartungshaltung der Teilnehmer ist bei den Investitionen im Wirtschaftsraum Asien/Pazifik ohne China sowie den Investitionen im US-amerikanischen Wirtschaftsraum zu sehen. Jeweils 45 Prozent rechnen mit steigenden Investitionen ostdeutscher Unternehmen in diesen Regionen.
Nach 71 Prozent im Vorjahr glauben nur noch 55 Prozent der Befragten, dass die Investitionen ostdeutscher Unternehmen im Bundesgebiet sinken werden. Abbildung: Ostdeutscher Bankenverband e. V.
Fachkräftemangel als Baustelle
Damit sich die Investitionstätigkeit positiv entwickelt, ist die Behebung von Hemmnissen notwendig. Bei diesen landen Bürokratie (60 Prozent), Energiekosten (60 Prozent) und das allgemeine Geschäftsklima (50 Prozent) ganz vorn.
Bürokratie und Energiekosten sind die größten Investitionshemmnisse für ostdeutsche Unternehmen. Abbildung: Ostdeutscher Bankenverband e. V.
Der Fachkräftemangel ist ein weiterer entscheidender Faktor für Investitionshemmnisse der Unternehmen. Für Berlin rechnen noch 49 Prozent mit einer steigenden Fachkräftesituation in den nächsten fünf Jahren. In Sachsen zeigt sich kein einheitliches Bild in diesem Bereich. 40 Prozent erwarten eine steigende Fachkräfteentwicklung und 45 Prozent glauben, dass sich die Fachkräftesituation verschlechtern wird. Mit einer sinkenden Fachkräfteentwicklung wird in Brandenburg (56 Prozent), Thüringen (66 Prozent), Sachsen-Anhalt (73 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (80 Prozent) kalkuliert.
Die Einschätzung der Fachkräfteentwicklung fällt regional sehr unterschiedlich aus. Abbildung: Ostdeutscher Bankenverband e. V.
Erwartung in Sicherheitsinvestitionen
Bei den Geschäftsmodellen ist eine Veränderung im Bereich der Digitalisierung zu erkennen. 77 Prozent der Befragten geben an, dass die Relevanz der Digitalisierung gestiegen ist. Laut OstBV ein Indikator für vermehrten Einsatz von KI und zunehmende Prozessverbesserungen. Die Relevanz der Nachhaltigkeit ist für 40 Prozent der Befragten gleichbleibend und 30 Prozent geben an, dass die Nachhaltigkeitsrelevanz gefallen ist.
Angesichts der außenpolitischen Weltlage und des Krieges in der Ukraine hat die Politik in Deutschland Investitionen in die Verteidigungsfähigkeit angekündigt. Hier zeigt sich eine unterschiedliche Einschätzung der Befragten für West- und Ostdeutschland. Für das restliche Bundesgebiet rechnen die befragten Teilnehmer mit 55 Prozent positiven Wachstumseffekten durch Sicherheitsinvestitionen. Auf Ostdeutschland gesehen geht nur für Sachsen (55 Prozent) eine Mehrheit von positiven Effekten aus. Es folgen Brandenburg (47 Prozent), Thüringen (45 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (43 Prozent). Für Berlin (33 Prozent) und Sachsen-Anhalt wird zu jeweils 33 Prozent mit positiven Wachstumseffekten gerechnet.
Die positivste Wachstumsentwicklung durch Sicherheitsinvestitionen erwarten die Befragten für Sachsen. Abbildung: Ostdeutscher Bankenverband e. V.
Welche Maßnahmen braucht es?
Die Ergebnisse der Befragung verdeutlichen, dass ostdeutsche Unternehmen weiterhin eine Kette an Maßnahmen benötigen. Bei den gewünschten Maßnahmen der Befragten an die Bundes-/Landesregierung bleibt der Bürokratieabbau wie bei der Umfrage im vergangenen Jahr mit 42 Prozent an der Spitze. 14 Prozent der Teilnehmer geben an, dass die Begrenzung der Energiekosten helfen würde, und sieben Prozent sagen, dass die Zuwanderung von Fachkräften erleichtert und gefördert werden müsse. Es folgen die Verbesserung der Bildungspolitik (sieben Prozent), der Ausbau der Infrastruktur (sechs Prozent) sowie die Begrenzung der Sozialabgaben und die Betreibung von Innovationsförderung (jeweils fünf Prozent).
Der größte Wunsch der Befragten an die Politik betrifft den Bürokratieabbau. Abbildung: Ostdeutscher Bankenverband e. V.
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