Rostock. Die Fusionsforschung gilt weltweit als eine der vielversprechendsten Perspektiven für eine sichere, klimaneutrale und langfristig verfügbare Energieversorgung. Nun wurde die High Energy Density Initiative (HEDI) gegründet.

Um die Grundlagen dieser Zukunftstechnologie entscheidend voranzubringen, bündeln die Universität Rostock und das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) ihre Expertise auf dem Gebiet der Hochenergiedichtephysik und haben die High Energy Density Initiative (HEDI) gegründet.

Das HZDR baut zudem im Rahmen dieser Initiative das Anfang Juni gegründete Institut für Hochenergiedichtephysik am Standort Rostock auf, das zu 90 Prozent von Bund und zu 10 Prozent vom Freistaat Sachsen finanziert wird. Mit einer Investition von 20 Millionen Euro unterstützt das Land Mecklenburg-Vorpommern den Aufbau von HEDI und finanziert einen Forschungsneubau, dessen Fertigstellung bis 2030 vorgesehen ist.

Damit entsteht in Rostock ein international sichtbarer Standort für Spitzenforschung.

Im Mittelpunkt der Forschung stehen extreme Materiezustände, wie sie sonst nur im Inneren von Planeten und Sternen vorkommen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen, wie sich Materie unter enormen Drücken und Temperaturen verhält und welche physikalischen Prozesse dabei ablaufen.

Diese Erkenntnisse sind entscheidend für die Weiterentwicklung der sogenannten Trägheitsfusion, bei der Kernfusion durch hochintensive Laserpulse ausgelöst wird. Für die spätere Nutzung der Fusionsenergie ist ein tiefes Verständnis der komplexen Vorgänge während der Kompression und Zündung des Fusionsbrennstoffs unerlässlich.

Gemeinsam mit internationalen Partnern wird HEDI insbesondere die Eigenschaften warmer dichter Materie und heißer dichter Materie erforschen. Zu den ersten wissenschaftlichen Schwerpunkten gehören die Projekte „Mischungen leichter Elemente bei Megabar-Drücken“ sowie „Dynamische Eigenschaften heißer dichter Materie bei Gigabar-Drücken“.

HEDI arbeitet eng mit dem European XFEL in Schenefeld sowie weiteren Partnern im In- und Ausland zusammen. Darüber hinaus wird sich HEDI an der Hightech Agenda Deutschland und am Förderprogramm „Fusion 2040“ des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) beteiligen, das die Entwicklung eines Fusionskraftwerks in Deutschland vorantreiben soll. Bereits heute besteht eine Zusammenarbeit mit dem Fusionsunternehmen Marvel Fusion, das an laserbasierter Kernfusion zur zukünftigen Energiegewinnung arbeitet.

Mit HEDI entsteht an der Universität Rostock zugleich ein attraktives Umfeld für die Ausbildung hochqualifizierter Fachkräfte. Studierende profitieren künftig von einer noch stärkeren Einbindung in aktuelle Forschungsprojekte und von neuen Möglichkeiten in Lehre, Praktikum und Promotion.

Die beiden HEDI-Gründungsdirektoren, Prof. Ronald Redmer und Prof. Dominik Kraus, haben bereits ihre ersten Forschungsteams aufgebaut und internationale Projekte gestartet. Darüber hinaus wird derzeit eine dritte Professur für Angewandte Hochenergiedichtephysik vorbereitet, die 2027 besetzt werden soll.

Mit HEDI entsteht damit in Rostock ein neuer Leuchtturm der deutschen Forschungslandschaft – und ein wichtiger Baustein auf dem Weg zur Energieversorgung der Zukunft.

Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, erklärte: „ Es ist gut, dass Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen ihre Kompetenzen in der Energieforschung mit einer neuen Forschungsinitiative bündeln. Mecklenburg-Vorpommern hat allein in diesem Jahr vor, über eine Million Euro in HEDI zu investieren und wird die Initiative dann bis 2030 mit jährlich 1,7 Millionen Euro unterstützen.“

Bettina Martin, Wissenschaftsministerin des Landes Mecklenburg-Vorpommern, ergänzte: „Mecklenburg-Vorpommern nimmt mit dem Stellerator Wendelstein 7-X international eine Spitzenposition in der Fusionsforschung ein. In Rostock bauen wir nun mit dem HEDI ein weiteres Standbein aus und investieren in Spitzenforschung im Bereich der Laserfusion. Die enge Zusammenarbeit der Universität Rostock mit dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf ist dafür ein absoluter Glücksfall, denn sie bündelt Wissen und wissenschaftliche Exzellenz in diesem zukunftsträchtigen Feld. Die Kernfusion ist eine der Schlüsseltechnologien in der HighTech Agenda des Bundes – und MV ist Mitglied der Fusionsallianz Deutschlands. Unsere gezielten Anstrengungen über viele Jahre im Bereich der Physik in Rostock und in der Fusionsforschung tragen nun also Früchte. Die High Energy Density Initiative Rostock wird unsere Stärke in der Fusionsforschung weiter ausbauen.“

Auch Prof. Sebastian M. Schmidt, Wissenschaftlicher Direktor des HZDR, freut sich: „Ich bin sehr stolz, dass es dem HZDR und der Universität Rostock mit der Gründung von HEDI gelingt, ihre Expertise auf dem Gebiet der Hochenergiedichte-Physik zu bündeln und damit die Erforschung von Materie unter extremen Bedingungen auf ein neues Niveau zu heben. HEDI bietet uns die Chance, die Fusionsstrategie und die Hightech-Agenda des Bundes wesentlich mitzugestalten.“