
Leipzig. VNG hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem bereinigten EBITDA von 422 Millionen Euro abgeschlossen. Damit liegt das operative Ergebnis fast auf Vorjahresniveau, aber deutlich über den Erwartungen.
„Unsere finanzielle Stärke gibt uns die nötige Stabilität, um das Bestandsgeschäft gezielt weiterzuentwickeln, in die Infrastruktur erneuerbarer und dekarbonisierter Gase wie Biogas und Wasserstoff zu investieren und damit zugleich regionale Wertschöpfung zu schaffen. 2025 haben wir konzernweit Investitionen von 244 Millionen Euro getätigt – überwiegend in Ostdeutschland und weitgehend aus eigener Kraft“, betont Bodo Rodestock, VNG-Vorstandsmitglied für Finanzen und Personal. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte VNG einen abgerechneten Umsatz von rund 18 Milliarden Euro (2024: rund 16 Mrd. Euro). Der VNG-Konzern beschäftigte zum 31.12.2025 insgesamt 2.049 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
„VNG blickt erneut auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr zurück, welches wir in Summe mit einem sehr positiven Ergebnis abschließen. Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds und großer geopolitischer Unsicherheiten hat VNG ihren wirtschaftlich stabilen Kurs fortgesetzt. Unser Fokus liegt weiterhin auf der gaswirtschaftlichen Wertschöpfungskette und dem Betrieb kritischer Infrastruktur. Über alle Geschäftsbereiche sichern wir Versorgungssicherheit mit Gas“, resümiert Ulf Heitmüller, Vorstandsvorsitzender der VNG AG, anlässlich der diesjährigen Bilanzpressekonferenz.
Die Versorgungssicherheit stand auch 2025 im Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns von VNG. Ein breit diversifiziertes Beschaffungsportfolio aus verlässlichen pipelinegebundenen-Liefermengen sowie LNG-Importen, leistungsfähige Speicher und ein belastbares Fernleitungsnetz bildeten das Fundament für eine sichere Gasversorgung.
Im Geschäftsjahr 2025 profitierte die ONTRAS Gastransport GmbH (ONTRAS) – u. a. aus Mehrvermarktungen – von höheren Transporterlösen. Parallel dazu treibt ONTRAS den Umbau ihrer bestehenden Gasinfrastruktur voran. Mit dem ONTRAS H2-Startnetz als Teil des deutschlandweiten Wasserstoff-Kernnetzes verantwortet ONTRAS künftig rund 600 Kilometer Wasserstoffleitungen. Bei rund 80 Prozent der Leitungen werden bestehende Erdgasleitungen umgestellt und 20 Prozent entstehen durch Neubau. Zum Gesamtergebnis leistete der Transportbereich einen Beitrag in unterer dreistelliger Millionenhöhe.
Im Geschäftsbereich Handel & Vertrieb lieferten das Großkunden- und Handelsgeschäft einen wichtigen Beitrag. Die VNG Handel & Vertrieb (VNG H&V) versorgt über 400 Kunden, vor allem Stadtwerke, Weiterverteiler, Industriekunden und Kraftwerke. Neben dem Inland werden auch Erdgaslieferungen in Polen, Tschechien, Österreich sowie für eine Vielzahl europäischer Handelspunkte erbracht. Die VNG H&V und ihre Tochtergesellschaften bieten zudem Strom, Zertifikate und Biomethanmengen an. Das diversifizierte Beschaffungsportfolio – u. a. mit Pipeline-Lieferungen aus Norwegen und Algerien sowie LNG-Bezug über FSRU-Terminals – erwies sich auch 2025 als stabil. Der Gasabsatz lag im Geschäftsjahr 2025 bei rund 411 Milliarden kWh (2024: rund 352 Mrd. kWh). Das Endkundengeschäft der goldgas GmbH leistete einen planmäßigen Ergebnisbeitrag. Das Biomethanhandelsgeschäft wurde mit der bmp greengas GmbH weiter gestärkt und in die Gesamtstrategie integriert. In Summe erwirtschaftete der Geschäftsbereich Handel & Vertrieb ein Ergebnis im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.
Im Geschäftsbereich Speicher trübte sich das Marktumfeld ein, wobei sich u. a. geringere Sommer-Winter-Spreads als herausfordernd für die Vermarktung erwiesen. Zu Jahresbeginn 2025, während sehr hoher Ausspeicherungen infolge kalter Witterung, zeigte sich erneut die Bedeutung leistungsfähiger Speicher als Stabilitätsanker des Energiesystems. „Unsere Untergrundgasspeicher sichern die Versorgung in Zeiten besonders hoher Nachfrage und stellen kurzfristig Gas bereit, wenn es gebraucht wird“, so Heitmüller. Mit einer Gesamtkapazität von rund 31 TWh an vier Standorten leistet die VNG Gasspeicher GmbH weiterhin einen zentralen Beitrag zur Versorgungssicherheit. Aus dem operativen Geschäft erzielte der Speicherbereich ein bereinigtes EBITDA in oberer mittlerer zweistelliger Millionenhöhe.
Im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie konnte die BALANCE Erneuerbare Energien GmbH (BALANCE) durch die Partnerschaft mit dem Infrastrukturinvestor CVC DIF nachhaltig gestärkt werden und ihre Marktposition als ein führender Biogasanlagenbetreiber Deutschlands ausbauen. Derzeit betreibt BALANCE Biogasanlagen an 40 Standorten in Nord- und Ostdeutschland. Mit einer installierten Feuerungswärmeleistung von nunmehr rund 241 MWFWL (2024: rund 197 MWFWL) können rechnerisch mehr als 227.000 Haushalte mit klimafreundlicher Energie versorgt werden. „Biogas bleibt für VNG ein systemrelevanter und vor allem flexibler und regional produzierter Energieträger, der Versorgungssicherheit, Wertschöpfung und Klimaschutz miteinander verbindet“, berichtet Hans-Joachim Polk, VNG-Vorstandsmitglied für Infrastruktur und Technik. Trotz eines anspruchsvollen Marktumfelds – geprägt von vereinzelt rückläufiger Biomethannachfrage – steuerte dieser Geschäftsbereich ein Ergebnis in unterer zweistelliger Millionenhöhe bei.
Der Geschäftsbereich digitale Infrastruktur entwickelte sich positiv. VNG investiert gezielt in den Glasfaserausbau und das vorwiegend regional geprägte Infrastrukturservicegeschäft. Dieser Geschäftsbereich leistete einen Beitrag im niedrigen zweistelligen Millionenbereich zum Gesamtergebnis und zahlt auf die Diversifizierung des Geschäftsportfolios des VNG-Konzerns ein.
VNG treibt ihre Transformation hin zu erneuerbaren und dekarbonisierten Gasen konsequent, aber mit Augenmaß und dem Blick auf Wirtschaftlichkeit voran. Biogas bleibt dabei ein zentraler Baustein. Im Zuge dessen wurde das Anlagenportfolio vergrößert und weiterentwickelt, die regionale Wertschöpfung zusätzlich gestärkt und die Produktpalette im Bereich Biomethan diversifiziert.
VNG trägt im Bereich der Transformation auch zum schrittweisen Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft bei. Mit dem Energiepark Bad Lauchstädt entsteht in Kooperation mit sechs Konsortialpartnern erstmals die gesamte Wertschöpfungskette von grünem Wasserstoff im industriellen Maßstab. Im Jahr 2025 wurden hier weitere Meilensteine erreicht: ONTRAS nahm eine 25 Kilometer lange Transportleitung in Betrieb, die zugleich das erste Teilstück des Wasserstoff-Kernnetzes in Ostdeutschland ist. Ebenfalls begannen die Montage der Stacks des 30 MW-Elektrolyseurs und die stufenweise Inbetriebnahme der Gesamtanlage. Noch 2026 soll der erste grüne Wasserstoff in Richtung Leuna fließen. Künftig sollen jährlich ca. 2.700 Tonnen des erneuerbaren Energieträgers auf Basis regionaler Windenergie ins Netz eingespeist, zum Ankerkunden TotalEnergies Raffinerie Mitteldeutschland transportiert und industriell genutzt werden. „Wir sind Early Mover im Wasserstoffmarkt – mit allen Chancen und Risiken. Der Hochlauf verläuft derzeit allerdings deutlich langsamer als politisch geplant. Deshalb prüfen wir Investitionen zur Umsetzung unserer Strategie ‚VNG 2030+‘ stets sorgfältig auf regulatorische Verlässlichkeit und Wirtschaftlichkeit“, betont Heitmüller.
Perspektivisch wird Deutschland den hohen Wasserstoffbedarf jedoch nicht nur durch heimische Produktion aus Elektrolyse decken können. Daher entwickelt VNG mit internationalen Partnern Wasserstoffprojekte, die über das entstehende Leitungsnetz Kunden mit Wasserstoff versorgen können und bei der Reduktion von CO2-Emissionen unterstützen. So prüft VNG mit Partnern internationale Wertschöpfungsketten, u. a. die Möglichkeit Ammoniak in Rostock anzulanden und dort anschließend in Wasserstoff umzuwandeln. Parallel wird in einem weiteren Projekt die Dekarbonisierung von norwegischem Erdgas bewertet. „Die Hansestadt Rostock bietet optimale Bedingungen, einen wichtigen Beitrag für den Wasserstoffhochlauf zu leisten: Mit dem Hafen, der vorhandenen Infrastruktur und nicht zuletzt dem geplanten Anschluss an das Wasserstoff-Kernnetz“, erläutert Polk.
Ergänzend dazu prüft VNG mögliche Optionen im Bereich Carbon Management. „Gemeinsam mit Marktpartnern ermitteln wir derzeit die Umsetzbarkeit und Marktfähigkeit der technologischen Ansätze zur Reduktion von unvermeidbaren CO2-Emissionen. Wir brauchen aber auch hier stabile, kapitalmarktfähige Rahmenbedingungen für CCS und CCU, um Investition anzuschieben und Risiken abzusichern. Dies umfasst die CO₂-Transportinfrastruktur, wettbewerbsfähige Transportentgelte, auch speziell für ostdeutsche energieintensive Emittenten, sowie CO2-Speicherprojekte“, so Polk weiter.
Um Ostdeutschlands industrielle Zukunft, Wettbewerbsfähigkeit sowie regionale Wertschöpfung langfristig zu ermöglichen, mahnt Heitmüller abschließend: „Biogas und Biomethan benötigen als systemrelevante, regionale Säulen der Versorgungssicherheit u. a. einen sicheren Gasnetzzugang und entbürokratisierte Zertifizierungsregeln.“ Forderungen zum Gelingen des Wasserstoffhochlaufs formuliert Heitmüller wie folgt: „Ferner braucht es eine Überarbeitung der Strombezugskriterien, eine Netzentgeltreform, die Elektrolyseure nicht über Gebühr belastet und ihre Wirtschaftlichkeit wahrt, sowie verlässliche Nachfrageanreize auf Kundenseite, wie ausfinanzierte Klimaschutzverträge und eine stabile THG-Quote. Nur mit politischem Realismus lassen sich Transformation, Stabilität und Versorgungssicherheit in Ostdeutschland verbinden und dauerhaft resilient aufstellen.“
Der Beitrag VNG mit ordentlicher Ertragslage trotz Krisenzeit erschien zuerst auf Redaktionsnetzwerk Ost.